Gesetzeskraft. Der 'mystische Grund der Autorität'. (Broschiert)
von Jacques Derrida

Ein origineller Ansatz zur Rechts- und Sprachphilosophie
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Das Werk verkleidet sich zunächst als eine Lektüre von Walter Benjamins Aufsatz "Zur Kritik der Gewalt". Anhand von Benjamins Darstellung über den Zusammenhang von rechtssetzender Gewalt (Staatsgründer), rechtserhaltender Gewalt (Polizei und Justiz) und rechtsvernichtender Gewalt (das Göttliche) gelangt Derrida zu der bemerkenswerter Aporie, daß in jedem Urteil, in jeder Anwendung eines Gesetzes dieses Gesetz wieder in Frage gestellt und neu gegründet werden muß.

Derrida weitet damit den Blick von einer Rechtsphilosophie auf sprachphilosophische Grundlagenprobleme: Kein Satz enthält gleichzeitig die Regel seiner Interpretation, und keine Regel enthält gleichzeitig die Regel ihrer Anwendung. Im Augenblick einer Entscheidung fehlt uns somit immer ein notwendiges Kriterium, um uns zu entscheiden. Aber gerade hierin liegt die Freiheit und die Verantwortung unserer Entscheidung. Es gibt kein allgemeines Gesetz, das uns die Freiheit, uns selbst zu entscheiden, und damit auch die Verantwortung dieser Entscheidung abnehmen könnte.

Derrida leistet eine akribische Lektüre Benjamins, die einiges zum Verständnis des Benjaminschen Denkens beitragen kann. Einher geht damit eine philosophische Analyse des intellektuellen Klimas in Mitteleuropa vor dem 2. Weltkrieg, das zwischen einer Faszination für Gewalt, den mystischen Rückschlägen der Aufklärung und Freiheit des Individuums schwankte.
Eine Rezension von Rezensentin/Rezensent
vom 4. Dez. 2001
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Siehe auch folgende Artikel:
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