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BEKANNTES BEKANNT MACHEN?
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Basics Stadtbausteine (Taschenbuch) ERSTER EINDRUCK ================
Ich bin als Nichtarchitekt auf das Büchlein 'BASICS - STADTBAUSTEINE' gestossen. Auf letztlich 62 Textseiten sollen hier die 'typischen Stadtbausteine' anhand von strukturellen Prinzipien, funktionellen Möglichkeiten sowie kulturgeschichtlichen Bezügen verständlch vorgestellt werden. Und in der Tat, das Büchlein liest sich fast 'von selbst'. In überschaubaren Abschnitten bauen sich vor dem geistigen Auge 'städtische Grundbausteine' auf, von denen man das Gefühl hat, das hat man selber schon gesehen, das ist ein Stück städtischer Realität. Behandelt werden die Elemente 'Reihe', 'Block', 'Hof', 'Passage', 'Zeile'. 'Solitär', 'Gruppe' und 'Kiste'. Jedes einzelne Element wird anhand festgelegter Gesichtspunkte vorgestellt, um dadurch eine gewisse Vergleichbarkeit zu ermöglichen. So findet man unter dem Gesichtspunkt (1) 'Form und räumliche Struktur' immer auch schematische Diagramme, anhand deren die typische Anordnung der Elemente visualisiert wird. Dazu werden ausgewählte Fotos präsentiert. Ergänzt wird dies um die Aspekte (2) 'Stadtraumbildung' und (3) 'Funktionen, Orientierung und Erschliessung' sowie den Aspekt (4) 'Beispiele aus der Geschichte'. Man kann den Autoren nur gratulieren, wie es ihnen gelingt, auf so knappem Raum eine so vielfältige und letztlich komplexe Materie gut lesbar zusammen zu stellen.
Bei diesem positiven Eindruck seien dennoch einige Fragen erlaubt, die sich bei der Lektüre --für einen Nicht-Architekten-- stellen.
BEKANNTES BEKANNT MACHEN? ========================= Die Reihe unterstellt, dass es sich bei dem hier zusammen gestelltem Wissen um wirkliches 'Grundwissen' handelt, also Wissen, was man für alle Architekturausbildungen voraussetzen muss. Die zahlreichen Literaturangaben lassen auch einige der historischen Vorläufer zu den einzelnen Positionen im Buch erkennen. Für einen Studenten der Architektur könnte es aber möglicherweise hilfreich sein, wenn die Autoren gleich zu Beginn eine 'wissenshistorische Positionierung' vornehmen, bei der nicht nur die entscheidenden Autoren und Schulen kurz in einen historischen und systematischen Zusammenhang gestellt werden, sondern zuleich auch Bezug genommen wird auf die aktuelle Lehrsituation an den deutschen Hochschulen. An sehr vielen deutschen Hochschulen werden Vorlesungen ähnlichen oder mehr oder weniger gleichen Inhalts angeboten. Erfahrungsgemäß wären zusätzliche Links auf besonders gut gelungene Vorlesungen von KollegenInnen für die lesenden Studierenden sehr hilfreich.
AUSWAHL UND MOTIVIERUNG DER HAUPTASPEKTE ========================================= Die Abschnitte über die einzelnen Stadtbausteinen werden anhand der oben erwähnten vier Hauptaspekten gegliedert. Der genaue Charakter dieser vier Hauptaspekte wird aber weder eigens erklärt noch in seiner Auswahl besonders motiviert. Wenn man verstehen will, was z.B. unter dem Hauptaspekt 'Form und räumliche Struktur' tatsächlch gemeint ist, dann muß man sich jeweils die Darstellung im Kontext der einzelnen Stadtbausteine anschauen und auf diese Weise 'induktiv' ein Verständnis davon gewinnen, was mit dem Hauptaspekt 'Form und räumliche Struktur' tatsächlich gemeint ist. Aus systematischer Sicht wirft dieses Vorgehen Fragen auf: um unterschiedliche Gegenstände eines Diskursraumes mittels eines einheitlichen Kriteriums vergleichend charakterisieren zu können, muß das benutzte Kriterium eigentlich 'vorweg' hinreichend klar expliziert werden. Gerade für Studierende, die lernen sollen, die vielfältigen Phänomene der Architektur auch systematisch begrifflich zu analysieren, wäre solch eine begrifflich sauberer Aufbau wichtig. Möglicherweise wirkt sich hier die Selbstbeschränkung der Buchreihe 'BASICS' aus. Die kritische Anfrage müßte man dann aber möglicherweise an die Buchreihe weitergeben: darf eine so grundlegende Einführung auf so wichtige systematische Aspekte verzichten?
WIRTSCHAFTLICHKEIT ================== Der Aspekt 'Wirtschaftlichkeit' kommt als eigenständiger Aspekt neben den genannten vier Hauptaspekten nicht vor. Tatsächlich taucht aber in der Beschreibung aller Strukturelemente immer wieder der Aspekt der wirtschaftlichen Nutzung und der Erschliessungskosten als treibender Faktor bei der Entscheidung über endgültige Formen und Nutzung auf. Es fragt sich daher, ob man die jungen Architekturstudierenden nicht rechtzeitig zu einem eher offensiven Umgang mit dem Aspekt Wirtschaftlichkeit ermutigen sollte.
VERDRÄNGTES RECHT ================= Wenn man weiss, wie schier hoffnungslos viele planerische Aktivitäten gerade im städteplanerischen Kontext angesichts bestehender Rechtsverhältnisse erscheinen, so wundert es, dass der Aspekt 'Recht' in dieser Einführung überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Natürlich interessiert sich ein Architekt als Architekt nicht für Rechtsfragen sondern für architektonische Gesichtspunkte, aber in der Realität von Städten ist das Recht allgegenwärtig und eine Architektur in einem quasi 'rechtsfreien' Raum erscheint sehr unwirklich.
DEMOGRAPHIE UND MEHR ==================== Durch die Bevölkerungswissenschaften haben wir in den letzten Jahrzehnten relativ viel darüber gelernt, dass Bevölkerungen keine amorphe Massen darstellen, sondern nach Altersklassen strukturiert sind, deren prozentuale Gewichtungen untereinander über Wohl und Wehe einer Gesellschaft entscheiden können, und zwar als generationenübergreifende Prozesse. Dazu kommen Veränderungen in der Arbeitswelt, Veränderungen in der Art des Zusammenlebens, und vieles mehr. Die Gesamtheit dieser Prozesse, insbesondere die beteiligten demographischen Prozesse, können massive Auswirkungen auf die benötigten Wohn- und Arbeitsverhältnisse haben. Von all dem findet sich in dem Büchlein leider garnichts. Einleitend wird zwar darauf hin gewiesen, dass die verschiedenen Stadtbausteine und ihre spezifischen Kombinationen die Lebensweise der Menschen 'fördern' der 'behindern' können (S.9) und dass das hier bereitgestellte Wissen ein 'städtebaulich verantworliches Entwerfen' ermöglichen soll, aber gerade diese Lebensverhältnisser der Menschen, die gefördert werden sollen, bleiben seltsam blass und ungreifbar.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. August 2009 | | | | | | | |
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