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mehr als ein Buch zum Kulturmanagement
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Hype! Kunst und Geld ist mehr als ein Buch zum Kulturmanagement. Das Buch bewegt sich an der Grenze vom Sachbuch zum Wirtschaftskrimi. In anschaulicher Weise gibt die Autorin an Hand von zahlreichen Beispielen Einblick in die Mechanismen der Märkte, in die gierige, zwanghafte, egozentrische und berechnende Welt der Kunstsammler, hinter die Kulissen von Galeristen und Auktionshäuser, in die geniale Selbstvermarktungsmaschinerie der Künstler und in den abseits der Kreativität liegenden Schaffungsprozess eines Kunstwerkes zwischen Kalkül, Qualität, Täuschung und Taktik.
Der gelungene Mix aus Recht, Wirtschaft, Psychologie und (Kunst-)Geschichte zeigt auf, dass der Kunstmarkt zwar mit einzigartigen Objekten handelt, sich die Mechanismen jedoch in keiner Weise von anderen Märkten unterscheiden: Spekulation, Investition, Mut zum Risiko, Insiderwissen, Macht und weitverzweigte Netzwerke bilden die Basis für das Funktionieren des Kunstmarktes.
Das Handelsobjekt Kunst bleibt freilich eine große Unbekannte. Denn die Kernfrage Was ist Kunst? kann auch dieses Buch nicht beantworten. Es zeigt aber deutlicher als andere Werke auf, dass Qualität und Preis nicht zwangsläufig in einem direkten Zusammenhang stehen und der Wert eines Kunstwerkes eine soziale Konstruktion ist, die auf den Expertisen von Galeristen, Medien, Museen, Auktionshäusern und Sammlern beruhen - somit ausschließlich auf den Wertungen all jener, die auch selbst am Markt beteiligt sind. Eine regulierende Kraft von außen fehlt in diesem selbstreferenziellen System; ein allenfalls aufrüttelnder Schrei über des Kaisers neue Kleider verhallt ungehört in der Kunstwelt, und der Preis der Handelsware Kunst wird als letztes verbleibendes Qualitätsmerkmal akzeptiert.
Aufgrund der mangelnden objektiven Qualitätskriterien von Kunst ist diese ein Spekulationsobjekt par excellence. Der Hype um die Kunst könnte wie eine Seifenblase platzen, Sammlungen von einem Tag auf den anderen ihren Wert verlieren. Eine Assoziation zum Hype um die New Economy, der ebenfalls keine realen Werte als wirtschaftliche Grundlage zur Verfügung standen, ist durchaus zulässig. Dass ein schwarzer Freitag am Kunstmarkt bisher ausgeblieben ist, ist den Beteiligten zu verdanken, die nicht zuletzt aus Eigeninteresse und Kapitalschutz dafür sorgen, dass Kunstwerke werterhaltend bzw. wertsteigernd auf dem Markt vertreten bleiben, der stärker als andere Märkte durch Eitelkeit, den Wunsch nach Abgrenzung, das Bedürfnis zur Selbstdarstellung und nicht zuletzt durch die nach außen medienwirksam vermarktete Anhäufung von Statussymbolen bestimmt wird.
Das vorliegende Buch ist eine spannende und kurzweilige Lektüre für jedermann, der die Mechanismen der Märkte verstehen will. Kunstaffine Leser werden sich zwar angewidert ob der profitorientierten Machenschaften der Investoren abwenden, aber das Buch dennoch von der ersten bis zur letzten Seite verschlingen. Vom Querlesen dieser Abhandlung sei jedenfalls abgeraten, zu spannend sind die Bezüge und Exkurse, um sie zu überlesen.
Eine Rezension von Kulturmanagement Network > Weimar
vom 8. März 2010 | | |
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