50 Klassiker Theater. Die wichtigsten Schauspiele von der Antike bis heute (Gerstenberg visuell) (Taschenbuch)
von Norbert Abels


 
Rezensionen:
Von "verdienstvoll" bis "optisch reizvoll" reicht das Lob der Presse. Die neue Sachbuchreihe50 Klassikerscheint sich etabliert zu haben. Der nun vorliegende Band, eine Art Crashkurs durch 50 berühmte Bühnenstücke, setzt diese Tradition aufs Schönste fort. Was trocken klingt, liest sich spannend wie ein Krimi. Chronische Theatermuffel dürften sich durch Norbert Abels kluge Kommentare zu einem Besuch angeregt fühlen, Kennern der Materie werden die überraschenden Deutungen und Sichtweisen des Chefdramaturgen der Frankfurter Oper manches vertraute Stück in völlig neuem Licht erscheinen lassen.

MedeaOrestieElektra, die Hits der Antike, eröffnen den chronologisch angeordneten Reigen der Stücke. In einem Kurzessay wird, begleitet von Bildern aktueller wie auch historischer Inszenierungen, die Handlung in ihrem historischen Kontext vorgestellt. Kritiker- und Autorenkommentare finden in separaten Kästchen Platz. Den besten Logenplatz sichert sich der Leser durch die clevere "Faktenseite", die noch einmal Inhalt des Stücks, auftretende Personen und eine Kurzbiografie des Autors bündelt. Film-, CD- und Leseempfehlungen sowie weiterführende Kunst-Links machen endgültig rampenfest.

Das Herzstück, Schauspielführer Abels launige und pointierte Essays, sind das reinste Lesevergnügen.Ödön von HorvathsböseGeschichten aus dem Wienerwaldanalysiert er messerscharf als "Meilenstein in der Universalgeschichte der Niedertracht". AbgehobenenHamlet-Exegeten empfiehlt Abels, die seelische Not dieser wohl berühmtesten Bühnengestalt nicht "hinter Bücherbergen entschwinden zu lassen". LessingsNathangeistert hochaktuell als ewiger "Albtraum aller Fundamentalisten, Dogmatiker und Fanatiker" über die Bretter. Auch als Paar-Analytiker erweist sich Abels verblüffend treffsicher: "Monogamie gehört nicht zur menschlichen Grundaustattung." Knapper lässt sich Albees EhedauerbrennerWer hat Angst vor Virginia Woolf?wohl kaum zusammenfassen.

Die nordischen Seismografen bürgerlicher Seelenbeben,StrindbergundIbsen, fehlen mitFräulein JulieundNora oder Ein Puppenheimebensowenig wie ihr russisches PendantCechov, mitOnkel Wanjaund demKirschgartengleich zweimal vertreten. Ist man überBeckettArthur MillerundIonescoschließlich bei Edward Bonds 1973 entstandenen Xenophobie-SchockerDie Seeangelangt, hat sich der Suchteffekt endgültig eingestellt: Man wünscht sich weitere 50 Klassiker.--Ravi Unger

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