Auf Herz und Nieren
von Steffen Wink


 
Rezensionen:
> Vielleicht ist ein früher, völlig unerwarteter Erfolg für einen jungen Filmemacher wirklich eher ein Fluch als ein Segen. Er weckt viel zu hohe Erwartungen und drängt seinen Urheber in eine Richtung, die sich sehr schnell als Sackgasse entpuppen kann. Und auch wenn man solche Thesen nicht leichtfertig verallgemeinern sollte, so gibt es doch zumindest einzelne Fälle, die sie bis auf den letzten I-Punkt bestätigen.

Mit Knockin' on Heaven's Door hat Thomas Jahn zusammen mit seinem Star Til Schweiger die deutsche Filmszene im Sturm erobert. Nach den 3,5 Millionen Zuschauern für einen Film, der aus dem Nichts kam und unserer Kinolandschaft einen eigenen Quentin Tarantino bescherte, schien alles möglich. Doch schon Jahns zweiter Film Kai Rabe gegen die Vatikankiller, seine Hommage an das europäische Schundkino der 60er- und 70er-Jahre, gab dieser an die Märchen Hollywoods erinnernden Erfolgsstory eine überraschende Wendung ins Tragische. Aber selbst dieser etwas unverdiente Flop -- Kai Rabe ist zwar kein Meisterwerk, doch zumindest ein auch in seinem Scheitern noch sehr interessantes Experiment -- konnte einen kaum auf das Debakel vorbereiten, das Jahn nun mit Auf Herz und Nieren letztlich selbst heraufbeschworen hat.

Vier Jugendfreunde, die Steffen Wink, Martin Glade, Niels Bruno Schmidt und Thierry van Werveke von Anfang an als Karikaturen ihrer selbst angelegt haben, glauben, mit einem Drogendeal an das große Geld kommen zu können. Doch natürlich geht alles schief, und plötzlich stehen sie mit einer Million bei einem skrupellosen Gangster (Burt Reynolds) in der Kreide. Ihnen bleiben fünf Tage, das Geld zu beschaffen. Eine aussichtslose Situation, gäbe es da nicht einen irren Arzt (Udo Kier), der illegal mit menschlichen Organen handelt.

Auf Herz und Nieren ist zweifelsohne das Produkt von Jahns ersten beiden Filmen. Getrieben von dem Wunsch, an den Erfolg des Erstlings anzuschließen und dabei zugleich den Ideen des weitaus persönlicheren Nachfolgers treu zu bleiben, hat Jahn hier einfach Elemente aus beiden vermischt. Während die erste Hälfte sich wie schon Knockin' on Heaven's Door ganz deutlich an Quentin Tarantinos selbstreferentiellen Genrereflexionen orientiert, variiert die zweite Motive und Themen des Euro-Trash-Kinos. Nur geht das eine kaum mit dem anderen zusammen. Der blanke Zynismus, der vor allem der amerikanischen pulp fiction geschuldet ist, verträgt sich nicht mit der letztlich unschuldigen Naivität, die so kennzeichnend ist für den europäischen pulp eines Jess Franco. So fällt Auf Herz und Nieren schließlich immer mehr auseinander. Und selbst die wenigen Szenen, in denen sich Jahns Zynismus als Attitüde eines hemmungslos Sentimentalen entpuppt, können einen nicht für all die geschmacklichen und moralischen Entgleisungen entschädigen, die sich Jahn hier in dem verzweifelten Versuch, sein Publikum zurückzugewinnen, geleistet hat. --Sascha Westphal
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