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Klassische Dekadenz
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
"La dolce vita - Das süße Leben", Federico Fellinis Film um den römischen Papparazzo Marcello (Marcello Mastroianni) beschreibt schon im Jahr 1959 weit vorausschauend Tendenzen der Sensationsberichterstattung, des Startkults und des Lebens der "Reichen und Schönen", welches bei allem Glamour ein sinnentleertes und oberflächliches bleibt. Wir beobachten Marcello zwei Tage lang auf seinem Trip durch die Welt der High-Society. Kontrastiert wird deren Luxusleben durch eine Reportage von einer Marienschauung zweier Kinder und einer Begegnung Marcellos mit einem jungen freundlichen Mädchen, das in seiner Unschuld die Dekadenz der "Dolce Vita" entlarvt. Marcello wirkt wie ein Spiegel des glitzernden, aber unmoralischen Tuns, über das er berichtet und gleichzeitig wie das gnadenlos registrierende und analysierende Auge, das nicht wegschauen kann. So werden die spaßigen Orgien der Stars zu quälenden Dokumentationen von Einsamkeit und Langeweile. Der Geniestreich, den Fellini mit "La dolce Vita" kreierte, ist aber, dass jener Mikrokosmos der "Upper Class" beispielhaft für eine Welt zu stehen scheint, die sich dem Materialismus und eher dem Schein als dem Sein verkauft hat, eine Welt, deren humane Werte in Auflösung begriffen sind. Ein hervorragender Film eines herausragenden Regisseurs und ein Meilenstein der Filmgeschichte. Neben dem großartigen Mastroianni hatte Anita Ekberg hier ihren berühmtesten Kinoauftritt (nackt in einem Brunnen badend) und Nico, das deutsche Fotomodell, das sieben Jahre später mit "The Velvet Underground" Popgeschichte gemacht hat, ist in einer Nebenrolle zu sehen.
Eine Rezension von Andreas Thomas Göttingen Deutschland
vom 12. Februar 2002
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