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| I love Dollars und andere Geschichten aus China
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Chinesische Kleinkriege
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER) (TOP 50 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: I love Dollars und andere Geschichten aus China (Gebundene Ausgabe) In der Mitte der 90er Jahre wurde eine neue Stimme in China laut. Eine Reihe junger Autoren, die der sogenannten "Generation der Spätgeborenen" angehörte, experimentierte mit neuen Schreibstilen und griff Inhalte auf, die der großstädtischen Lebenswelt nach der Öffnungspolitik Deng Xiaopings gerecht wurden und nicht mehr so sehr auf die traumatischen Ereignisse um die "Kulturrevolution" abzielten.
Ich erinnere mich noch an mein erstes Buch von Mianmian - damals hieß es, dass diese Autorin aufgrund ihrer schamlosen Schreibweise in China verboten sei. Besonders schockierend fand ich Mianmian allerdings nicht. Und Wei Hui auch nicht - obwohl der in China auch ziemlich verpönt war...
Nun war ich gespannt auf einen weiteren Autor aus dieser Generation, deren literarisches Schaffen in China vielfach als "schamlose Hooligan-Literatur" abgewertet wurde. Zhu Wens Erzählband "Wo ai meiyuan" (I love Dollars) erschien 1995 in China und sorgte für Furore. Das Buch des damals 28-jährigen Autors wurde sehr kontrovers diskutiert - auf der einen Seite wurde seine Schamlosigkeit angeprangert (er bricht so manches Tabu), andererseits wurde ihm ein besonderes Gespür für die Befindlichkeiten im neuen China attestiert. Und genau das, hat mich an diesem Buch auch unglaublich fasziniert. Bislang habe ich vorwiegend Bücher gelesen, die sich mit den Erfahrungen der "Kulturrevolution" auseinandersetzten. Um so überraschter war ich, hier auf einen Erzähler zu treffen, der das neue China, ein Land im Umbruch, in sämtlichen Facetten funkeln lässt.
Sechs Erzählungen sind in diesem Band enthalten:
Schickt alle Armen ins Reich der Träume I love Dollars Auf dem Yangzi Xiao Xie, ach Xiao Xie Pfunde, Unzen und ein Stück Fleisch Eine Nacht im Krankenhaus
Zhu Wens Stil ist ziemlich locker. Er hat mich stellenweise (auch inhaltlich) sehr stark an David Sedaris erinnert. Allen Geschichten gemeinsam ist der junge männliche Protagonist, der in allerlei absurde Situationen gerät, die sich mitunter extrem hochschaukeln. Obwohl der Ton durchaus rau ist, was sehr stark der chinesischen Lebenswelt entspricht, enthalten die Geschichten enorm humorvolle Wendungen und Passagen. Z.B. wenn die alte Frau in "Pfunde, Unzen und ein Stück Fleisch" sich in ihr Schicksal hineinsteigert und auf offener Straße die Fassung verliert. In den Erzählungen gibt es zahlreiche Kleinkriege, Ausraster und Gewaltausbrüche. Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig und es kommt eigentlich auch immer zum Ausbruch. Der Schluss bleibt immer ein bisschen in der Schwebe - man erfährt nicht, wie es letztendlich ausgeht...
Ich könnte mich gar nicht entscheiden, welche der Erzählungen mir am besten gefallen hat. Sie sind alle überragend!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 16. Juni 2009 | | | | | | | |
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